Warum Grundwehrdienst?

Sechs Monate in Uniform, ab dem 18. Geburtstag, für alle Männer mit österreichischer Staatsbürgerschaft. So weit, so bekannt. Warum eigentlich?

„Ich gelobe, mein Vaterland, die Republik Österreich, und sein Volk zu schützen und mit der Waffe zu verteidigen ...“

Gruppe von Grundwehrdienern bei der Angelobung Rekruten bei der Angelobung: Das Versprechen, Österreich zu schützen.

Einige Woche nach dem Einrücken, am Ende der „Basisausbildung 1“, legen die Grundwehrdiener ihr Gelöbnis ab. Meistens auf Haupt- und Sportplätzen, in den Orten, in denen ihre Kaserne steht. Oder einmal jährlich im Herbst am Heldenplatz in Wien. Mit der Angelobung versprechen die Rekruten, Österreich mit der Waffe zu verteidigen.

Die letzten bewaffneten Konflikte an Österreichs Grenzen sind lange her: Ungarn 1956, Tschechoslowakei 1968, Jugoslawien 1991. Damals standen österreichische Soldaten, auch Grundwehrdiener, bereit: Für den Fall, dass Truppen der Nachbarländer Österreich angreifen, oder auf österreichischen Boden ausweichen.

Mittlerweile sind beinahe alle Nachbarländer Österreichs Mitglieder der EU. Angriffe gegen Österreich sind auf absehbare Zeit unwahrscheinlich geworden. Doch auch heute gibt es Bedrohungen und der Schutz vor diesen Bedrohungen ist Aufgabe des Bundesheeres.

Auslandseinsatz

Soldat mit Uno-Uniform blickt in Fernrohr Soldaten im Ausland. Das Bundesheer hilft in Krisenregionen.

Selbst wenn in unserer Umgebung Frieden herrscht: Auch Konflikte in vielen tausend Kilometern Entfernung wirken sich auf Österreich aus. Daher beteiligt sich Österreich an internationalen Missionen in Krisenregionen. Es geht darum, Konflikte zu beenden und Waffenstillstände und Frieden abzusichern. In den letzten 20 Jahren sind diese Missionen ein immer wichtigerer Teil der österreichischen Verteidigungspolitik geworden.

In Auslandseinsätze werden nur Soldaten geschickt, die sich freiwillig melden - Grundwehrdiener daher nicht. Aber natürlich können sich Grundwehrdiener bereits für den Auslandseinsatz melden und sich für die Zeit nach dem Grundwehrdienst weiter verpflichten. Der Einsatz selbst beginnt aber jedenfalls erst nach dem Grundwehrdienst, weil Ausbildung und Vorbereitung länger als sechs Monate dauern.

Grenzschutz

Grundwehrdiener mit Fernglas und Nachtsichtgerät Einsätze im Grenzraum waren früher gang und gäbe.

Bis vor einigen Jahren gehörte er zum Standard-Programm eines Grundwehrdienstes: Der Einsatz an der Grenze. Bundesheer-Soldaten bewachten zwischen 1990 und 2007 die „grüne Grenze“ zu Slowakei und Ungarn. Der Einsatz bedeutete: Patrouillen und Aufgreifen von illegalen Grenzgängern.

Derzeit gibt es keinen derartigen Einsatz, aber bei Krisen in der Nachbarschaft Österreichs könnte ein solcher Assistenzeinsatz im Grenzraum wieder eingerichtet werden.

 

Katastrophenschutz

"Ich gelobe, den Gesetzen und den gesetzmäßigen Behörden Treue und Gehorsam zu leisten, alle Befehle meiner Vorgesetzten pünktlich und genau zu befolgen ..."

Eine andere Form der Bedrohung kommt von oben: Regen, Schnee, Stürme, Hochwasser oder Murenabgänge bringen die zivilen Hilfsorganisationen an ihre Grenzen: Das Bundesheer unterstützt bei diesen Katastrophen die Feuerwehren. Bei diesen Einsätzen sind auch Rekruten dabei.

 

Sicherheit in Österreich

"... und mit allen meinen Kräften der Republik Österreich und dem österreichischen Volke zu dienen."

Während der Fußball-EM 2008 waren über 3000 Soldaten des Bundesheeres in Österreich im Einsatz: Sie standen als Sanitäter bereit, unterstützten die Polizei bei der Überwachung des Fußballfestes und sicherten den Luftraum. Bei solchen Großereignissen leisten die Grundwehrdiener einen wesentlichen Beitrag für die Sicherheit.
Ähnlich wie beim Assistenzeinsatz an der Grenze können Soldaten auch abkommandiert werden, um Betriebe zu schützen, die für das tägliche Leben in Österreich wichtig sind: Kraftwerke, Umspannwerke, Wasserwerke, Spitäler und so weiter. Einige hundert Einrichtungen kommen dafür in Frage. Zum Beispiel könnten bei einem Terroralarm Grundwehrdiener abkommandiert werden, Kraftwerke zu bewachen.

Patrouille bei einem Umspannwerk: Im Ernstfall schützen Soldaten auch wichtige Betriebe.

Im Ernstfall würden Grundwehrdiener mithelfen, die Ordnung und das tägliche Leben aufrecht zu erhalten. Sollte es etwa nach einem großen Stromausfall in Österreich tagelang finster bleiben, würden Grundwehrdiener bei der Notversorgung der Bevölkerung mit anpacken.

Nicht zuletzt: Die Bedrohung durch Cyber-Angriffe wird immer größer. Grundwehrdiener, die IT-Profis sind, können in diesem Bereich arbeiten. Allerdings muss die Zuteilung schon vor dem Einrücken geklärt werden – also am besten gleich bei der Stellung danach fragen.

 

Das neue modulare Ausbildungssystem

Zurzeit laufen viele Projekte, die den Grundwehrdienst noch weiter verbessern sollen. Das Ziel ist eine Zeit beim Bundesheer, von dem sowohl das Heer als auch die Grundwehrdiener profitieren können - also eine Win-Win-Situation.