„IM SCHRITT - MARSCH!“

Wie werden Zivilisten zu Soldaten? Hürdenläufe, Liegestütz, Exerziereinheiten oder Gefechtsübungen. In der Basisausbildung des Österreichischen Bundesheeres lernen Grundwehrdiener das Soldatenleben kennen und wachsen über sich hinaus.

Die Feldwoche: Einige anstrengende Tage im Freien.

"Die Waffe mit der rechten Hand am Griffstück, mit der linken Hand am Laufgriff!" Der Gruppenkommandant gibt Anweisungen, während die sieben Grundwehrdiener durch den nassen Sand robben. Ellbogen abwechselnd vorgesetzt, das Gewehr in der Hand, Rucksack am Rücken. Es ist der vorletzte Tag der Feldwoche – und das hier ist die letzte Gefechtsübung vor dem großen Abschlussmarsch. Seit vier Tagen leben diese Grundwehrdiener ohne feste Unterkunft. Die Füße wärmen sie sich am abendlichen Lagerfeuer.

"Sprung!"

"Sprung", das ist das Kommando zur Vorbereitung auf den Sprung. Mit der linken Hand auf den Boden aufstützen, die Rechte umklammert das Gewehr. Immer wieder stoßen die Grundwehrdiener an ihre körperlichen Grenzen. Der erste Tag begann überraschend schon um 4 Uhr 30 und auch heute am vierten Tag hieß es bei Sonnenaufgang "Tagwache!". Seither am Programm: vier Gefechtsübungen.

"Vorwärts!" Das ist erst das Kommando zum Sprung. Alle sieben schnellen aus der Deckung und sprinten los. Zehn Meter. Zwanzig Meter. Der Feldrucksack schlägt gegen den Rücken. Dreißig Meter. Die Schnelleren bauen einen Vorsprung auf. "Decken!" Auf Kommando wieder zurück ins Feuchte, den Kopf eng an den Boden gepresst.

Soldat robbt durch den Sand Zwei Soldaten springen über eine Hürde Zwei Rekruten spannen ein Zelt zwischen zwei Bäumen Soldaten machen Liegestütz Soldat beim Überqueren eines Flusses

Es ist nicht die erste Gefechtsübung für die Grundwehrdiener in ihrer Ausbildung. Hier in der abschließenden Feldwoche werden alle erlernten Fähigkeiten noch einmal gefestigt.

Das richtige Decken haben die Grundwehrdiener in den ersten Wochen der Basisausbildung schon öfter geübt. Im Gefechtsdienst lernen sie das Handwerk der Soldaten - richtiges Bewegen, Angreifen und Verteidigen in der Gruppe.

Der Zug wird in zwei Teile aufgeteilt. Während die einen ein Gebiet verteidigen, rücken die anderen in diesen Bereich vor.

Für viele ist dies der erste Einblick in die Kunst des Gefechts. Die Taktik einer Einheit wird stumm durch Gesten kommuniziert. In den Gewehren sind Platzpatronen.

Drei Soldaten hinter einen Baum Soldat bemalt das Gesicht eines Anderen Soldat im Gebüsch zielt mit Sturmgewehr

Einer der Soldaten bemerkt, dass er seinen Schlafsack nicht gut verstaut hat. Woran? Während er sich auf den Boden duckt, rutscht der Rucksack ständig nach rechts.

Die Packordnung ist Fixpunkt in den ersten Tagen des Grundwehrdienstes: Jeder Gegenstand soll auch bei völliger Dunkelheit noch gefunden werden können. Doch bis heute ist das Packen für alle eine Herausforderung. Ein einziger Gegenstand an der falschen Stelle und du spürst Muskeln, die du noch nie gespürt hast.

Soldaten packen ihren Rucksack Soldat sortiert Decken

Raus aus dem Sandkasten, rüber zum Schießstand. Jetzt kommt scharfe Munition ins Sturmgewehr.

"Den Blick immer auf das Ziel richten, auch beim Magazinwechsel und beim Laden!" Der Zugskommandant ist höchst konzentriert. Die Grundwehrdiener schießen das vierte Mal mit scharfer Munition.
"Drei!" Die Zielscheibe im Visier ist 200 Meter entfernt.
"Zwo!" Der Abstand vom Auge zum optischen Visier soll etwa sechs bis acht Zentimeter betragen.
"Eins!" Luft anhalten.
"Feuern!"

Soldat liegend beim Anvisieren. Soldat mit Gewehr Kommandant erklärt Rekruten das Schiessen

Während der Basisausbildung (früher oft "Grundausbildung" genannt) wird auch das Exerzieren täglich geübt. Hier geht es um die einheitliche Bewegung einer Gruppe. Egal ob bei der Reihenbildung, beim Vergattern* oder beim gesammelten Salutieren, jeder arbeitet mit voller Konzentration und Präzision. In der ersten Woche Grundwehrdienst haben viele nach dem Exerzieren noch müde Arme und Schultern, doch vier Wochen später versetzt das Resultat alle Beobachter in Staunen.

* Die Vergatterung ist die Versammlung der Truppe in einer Form der geschlossenen Ordnung.

Vorgestzter hilft beim Exerzieren Reiche von Soldaten Garde am Heldenplatz

Die Grundwehrdiener sind nach diesen Wochen schon gut vorbereitet. Sie haben Ausdauertraining und Muskelaufbau hinter sich, um in der Feldwoche bestehen zu können. Sport ist sowieso ein wichtiger Ausgleich während der Grundausbildung. Laufen, Liegestütz, Dehnen, zusammengefasst in den Übungsserien der "Goldenen Fünf", "K2" und "K3".

Vier Soldaten in der Kraftkammer Soldaten beim joggen Soldaten machen Liegestütz

Auch das Selbstverteidigungstraining fordert Leistungsfähigkeit der Soldaten. "Aus der Hüfte, nicht aus der Schulter", ermahnt der Ausbilder immer wieder. Geübt werden Kampftechniken für den Kampf ohne Waffe. Schlag- und Kicktechniken zur Selbstverteidigung, meistens nach dem Lauf im Wald, weil der Körper da gut aufgewärmt ist.

Soldat tritt anderen in den Bauch Soldat block Schlag von oben kommend Vier Soldaten beim Selbstverteidigungstraining.

Für den Ernstfall erhält jeder Grundwehrdiener einen Erste-Hilfe-Kurs. Schließlich ist jeder Soldat verpflichtet, einem verletzten oder schwer erkrankten Kameraden zu helfen. Wenn kein Arzt oder Sanitäter in der Nähe ist, muss sich der Soldat selbst um seinen Kameraden kümmern.

Und auch im Alltag außerhalb der Kaserne gilt: Es muss bei Menschen in Not Erste Hilfe geleistet werden. Neben Verbandstechniken trainieren die Soldaten auch die Wiederbelebung.

Zwei Soldaten leisten Erste Hilfe Gruppe von Grundwehrdienern beim Erste Hilfe Kurs

"Im Schritt - Marsch!" Wir verlassen den Schießstand in Richtung Zeltlager. Früher Abend, leichter Nebel zieht auf. Das Gras dämpft den Klang der einheitlichen Schritte.

"Am Abend bekommt jeder drei Schöpflöffel heißes Wasser zum Waschen", verkündet einer der Zugsführer, "Zapfenstreich ist heute um 22 Uhr." Morgen ist der längste Marsch der Basisausbildung.

Gruppe von Soldaten beim Marschieren Gruppe von Soldaten marschieren auf Schotterweg

Aufteilung Basisausbildung

Tabelle

Die Ausbildung im Grundwehrdienst gliedert sich in drei Abschnitte:

Die Basisausbildung 1 dient dem Erlernen der grundlegenden Kenntnisse (dieser Teil ist vielen auch als "Grundausbildung" geläufig).

Die Basisausbildung 2 und 3 dienen der Ausbildung in einer speziellen Waffengattung.

Mit der Reform des Grundwehrdienstes, die ab 2013 umgesetzt wird, wird die Ausbildung im Grundwehrdienst stärker modularisiert: Das Fundament bilden die zwei Basismodule "Allgemeine Fähigkeiten" und "Militärische Grundausbildung", die von jedem Grundwehrdiener absolviert werden. Darauf folgt dann eines von vier Wahlmodulen zur Spezialisierung:

  • Schutz und Hilfe: Diese Modul beeinhaltet die Inlandsaufgaben des Bundesheeres. Hier stehen Objektschutz, der Schutz kritischer Infrastruktur, die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, Hilfe im Katastrophenfall und die Grenzüberwachung im Vordergrund.
  • Cyber-Sicherheit: Hier stehen IT- und Netzwerksicherheit für das Bundesheer und den gesamten Staat auf dem Programm. Auch Cyber-Defence, also das Abwehren von gezielten Angriffen über das Internet, wird vorbereitet.
  • Militärisches Berufspraktikum: In diesem Modul geht es um Vertiefung im erlernten Beruf. Rekruten, die dieses Modul wählen, unterstützen bei der Instandhaltung von Gerät und Infrastruktur, kommen aber beispielsweise auch in der Gastronomie oder Logistik zum Einsatz. Zudem können zusätzliche Qualifikationen erworben werden.
  • Militärische Spezialisierung: Für alle jene, die sich über den Grundwehrdienst hinaus verpflichten wollen oder einen Auslandseinsatz anpeilen.